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Göttingen und der Rest der Welt
Wiedersehen - eine Ode an die Liebe
Lese-Event mit Ina Rudolph / am Klavier Stefan Jagemann
- Regie: Wolfgang Rodler
15. Januar 2010 im Apex
Durch Zufall lerne ich Ina Rudolph kennen und erfahre
von der Lesung im Apex.
Eine schreibende, singende, modelnde Filmschauspielerin,
auch bekannt durch Tatort und andere Fernseh-Serien.
Also eine Powerfrau, die ihre angeborenen Fähigkeiten
schult und umsetzt. Die besten Voraussetzungen für eine
gute Lesung. Sie will eine Geschichte aus ihrem Buch
Sommerkuss vorlesen. Also bin ich so gegen 20 Uhr im
Apex.

Noch liegt die Bühne im Halbdunkel. Ein Tisch, ein
Stuhl, ein Mikrofon und ein Klavier. Noch sind erst
wenige Zuschauer da. Nach und nach füllt sich der Raum.
Pünktlich, nach einer kurzen Vorstellung, erscheint
Stefan Jagemann, setzt sich an das Klavier. Seine Füße,
in den golden verzierten Lederturnschuhen, bewegen sich
in Richtung Pedalen. Seine Hände schweben kurz über den
Tasten ... improvisierte Klangspiele, mal fordernd, mal
träumerisch schweben wie Seifenblasen im Raum,
zerplatzen.
Ina Rudolph steht im hinteren Eck der Bühne, verharrt.
Sie schaut zu Stefan Jagemann. Eine schöne Frau, dezent
und doch modern gekleidet. Schließlich geht sie auf den
Tisch zu, setzt sich auf den Stuhl.
Mir fallen die modernen "Daisy-Duck-Schuhe" auf, die
sich schmeichelnd an ihre Beine anschmiegen. Ruhig -
Blick in Richtung Publikum - beginnt sie mit ihrer
charismatischen Stimme, die fast, die recht laute
Klaviermusik übertönt - leider kann man ein Klavier
nicht leiser stellen und die Akustik im Apex eignet sich
wenig für die Ausgewogenheit zwischen Sprache und Musik.
Lese-Event mit Ina Rudolph im
ApexIntensiv und ausdrucksstark, mit untermalender Mimik
und Gestik, liest sie Auszüge aus ihrem Buch; von jenem
Abend, an dem sich nach fünfundzwanzig Jahren Menschen
wieder treffen, die einst zusammen in einer Schul-Klasse
saßen. Als Zuhörer kann ich die beschriebenen Charaktere
deutlich vor mir sehen. Ihre Temperamente und
Charakterzüge sind psychologisch bis ins feinste Detail
nachvollziehbar beschrieben. Auch die anderen Zuhörer
lächeln mitunter in sich hinein.
Feiner, sinnlicher Humor - das gefällt mir.
Inzwischen habe ich mich an das laute Klavier gewöhnt,
Stefan Jagemann versteht es meisterlich, die Lesung zu
begleiten. Die Kommunikation zwischen den Beiden ist
wortlos, dann und wann ein ruhiger Blick in Richtung
Klavier. Ina Rudolph liest und Alle hören konzentriert
zu. Sie fesselt die Zuhörer nicht nur mit dem Text, Sie
variiert die Stimme, spielt die Rollen, haucht damit den
Charakteren Leben ein. Ich sehe die Gestalten vor mir,
bange mit ihnen, entrüste mich. Das ist wie Kino im
Kopf.
Natürlich
geht
es auch um die Liebe, Thema 1 auf der Welt. Wird der
schüchterne Lars über sich hinauswachsen, seine
Traumfrau von früher endlich ansprechen? Vielleicht
hilft der Griff zur Gitarre. Ina Rudolph versteht es,
hier Spannung aufzubauen. Damit es spannend bleibt,
verrate ich nichts.
Kaufen Sie doch ihr Buch! Sehr empfehlenswert!
ISBN: 3938157798
Das Publikum bedankt sich mit lang anhaltendem Applaus.
In Jeans, mit einer Flasche Bier in der Hand, unterhält
Ina Rudolph sich noch lange mit dem Publikum. Sie kann
auch gut zuhören, das fand ich sehr sympathisch.
Interview mit Ina Rudolph:
Ihre Lesung war purer Hörgenuss. Durch ihr
schauspielerisches Können wird der Text lebendig und zum
Theaterspiel. Das ist ein seltenes Vergnügen bei einer
Autorenlesung.
Sie sind sehr präsent. Eigentlich bräuchten Sie keine
Musikbegleitung; ist bei einer Lesung nicht jedermanns
Geschmack. Mitunter empfand ich die Musik zu dominant,
das hat mich abgelenkt.

Frau Rudolph, glauben Sie, dass weniger Besucher
kommen, wenn die Lesung nicht als Event angekündigt
wird?
Ich habe beim Erfinden des Programms nicht daran
gedacht, wie viele Zuschauer es anziehen wird. Ich
persönlich finde, dass die Musik, die Stefan Jagemann
komponiert hat, die Geschichte auf wundervolle Weise
unterstützt. Nicht immer sind allerdings die technischen
Bedingungen ideal.
Folgen noch weitere
Lesungen?
Ich denke schon. Wir werden immer wieder eingeladen.
Wie wirken sich die
Lesungen auf den Verkauf ihres Buches aus?
Außer, dass das Publikum am Abend welche kauft gar
nicht.
Sie haben viele
Talente. Hat sich schon herauskristallisiert, welches
die Hauptrolle in ihrem Leben spielen wird?
Lange Zeit hat die Filmschauspielerei die Hauptrolle
gespielt, dann hat sich das Schreiben einen wichtigen
Platz erobert. In die Zukunft sehen kann ich natürlich
nicht aber ich wünsche mir, dass Beides in meinem Leben
bleibt.
Frau Rudolph,
schauspielern und schreiben ergänzen sich wunderbar.
Als Schauspielerin können Sie sich mit ihrer
einfühlsamen Art gut in ihre Charaktere
hineinversetzen.
Das Buch „Sommerkuss“
lebt davon.
Vielen Dank für das
Interview. Ich wünsche Ihnen auf beruflicher und
privater Ebene weiterhin viel Glück.
Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche Ihnen auf
beruflicher und privater Ebene weiterhin viel Glück.
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